Meine Frau und ich haben im Frühjahr 2001 eine individuelle Rundreise per PKW durch die Südstaaten der USA gemacht und ich möchte nun allen Reiselustigen unsere Erfahrungen und Erlebnisse hier weitergeben.
Die Reiseroute ging von Atlanta nach Savannah, Charleston, Asheville, Cherokee und die Great Smoky Mountains. Chattanooga, Lynchburg, Nashville, Memphis, Natchez, New Orleans, die Swamps um Houma, Biloxi, Mobile, Panama City und dann über Eufaula zurück nach Atlanta. Wie schon bei unseren vorherigen USA-Reisen hatten wir die Flüge und das Auto in einem deutschen Reisebüro vorgebucht. Die Motelbuchungen habe ich dann über das Internet bei der Hotelkette "Best Western" und "Days Inn" gemacht. Alle Buchungen waren korrekt und die Reservierungen mit einer Confirmation-Number per E-Mail bestätigt. Der Flug ging von unserem Heimflughafen Münster-Osnabrück nach Frankfurt, von dort mit der Lufthansa nach Atlanta, unserer ersten Station. Der Airport in Atlanta ist riesig, man fährt mit einer Untergrundbahn von einem Terminal zum andren. Verwirrt hat uns nur die Kofferausgabe, die im Hauptgebäude statt findet; man sollte die Ansagen des Kabinenpersonals vorher beachten. Unser Hotel dort lag aus Preisgründen direkt am Airport an der südlichen Peripherie der Stadt. Da wir aber Atlanta schon von unserem Besuch im Frühjahr 1993 her kannten, verzichteten wir auf Besichtigungen und fuhren am Tag danach direkt nach Savannah, Georgias Tor zum Atlantik. Schöne alte Südstaatenhäuser in der quadratisch angelegten Innenstadt und der sehenswerte Teil am Hafen, Riverfront genannt. Hier hat man alte Lagerhäuser in Boutiquen und Restaurants verwandelt.
Weiter fuhren wir über Hilton Head Island, eine Millionärsinsel ohne Strandzugang für normal Sterbliche, und Beaufort, ein sehr romantisches Örtchen mit viel Flair, nach Charleston. Das Flair des alten Südens macht sich breit dort, und ein Besuch auf dem Middleton Place, einem früherem Gut mit herrlichen Parklandschaften, ca. 15 km von Charleston entfernt, lohnte sich schon wegen der vielen blühenden Azaleen. Wir haben dann in Charleston eine geführte Stadtrundfahrt gemacht und all die herrlichen alten Häuser bewundert.
Nach 2 Tagen Aufenthalt ging es dann über die Interstate 26 nach Asheville, unser Ziel war dort neben den Jugendstilbauten der Innenstadt das "grösste Wohnhaus der USA", das von dem Vanderbilt-Clan gebaute Biltmore Estate, in einem grossen Park etwas ausserhalb gelegen. Nach dem Schock über die hohen Eintrittspreise machten wir eine self-guided Tour durch die Gemächer. Alles riesig und faszinierend, man bekam einen Eindruck davon, wie der Geldadel der USA Anfang des Jahrhunderts lebte.
Von Asheville führte uns der Weg dann in das Indianer-Reservat um den Ort Cherokee. Von hier aus haben wir einen Teil der Great Smoky Mountains erkundet, noch mit winterlichen Temperaturen und weiten Blicken in das Land. Man konnte ahnen, wie es dort in der Ferienzeit im Sommer aussieht, die Orte Cherokee mit einem riesigen Spielcasino und über den Bergen die Orte Gatlinburg und Pigeon Forge als Touristenrummelplatz . Garmisch-Partenkirchen in 10facher Größe.
Danach lockte uns Glenn Miller mit seinem Chattanooga-ChooChoo in den gleichnamigern Ort. Man hat den alten historischen Bahnhof in ein Holiday-Inn Hotel umgebaut, auf den Gleisen stehen viele Schlafwagen alter Bauart, die den Gästen gegen Mehrpreis natürlich als Hotelzimmer dienen. Und am Anfang der Gleise, da steht sie nun, erkaltet aber viel beachtet, die Choo-Choo -Lokomotive. Wir müssen ehrlich sagen, gelohnt hat sich das nicht, zumal das Holiday Inn recht teuer war. Viel mehr überrascht waren wir dann, als wir das Tennesee-Aquarium am gleichen Ort besuchten. Es ist ganz neu und zeigt eine Fischvielfalt, die wir zuvor nur in Monterey im dortigen Aquarium bewundert haben. Also ist ein Besuch hier absolut empfehlenswert.
Nun gings weiter nach Lynchburg, weil dort die älteste Destillerie der Vereinigten Staaten zu bewundern ist, und das noch kostenlos. Also waren wir willkommen bei Jack Daniel´s berühmter Brennerei. Eine ausführliche Besichtigung, leider mit einem Führer, der sein Südstaaten-Englisch pflegte und kaum zu verstehen war. Aber interessant war das schon, vor allem, weil man wirklich meinte, die Zeit sei dort stehen geblieben. Das County dort ist trocken, soll heissen, eine Probe des edlen Stoffes gab es nicht. Bei Alkohol hört in den USA der Spass eh auf ( jedenfalls in der Öffentlichkeit )!
Nach 8 Tagen Fahrt über fast leere Highways und auch Nebenstrassen kam der erste Höhepunkt der Rundreise näher: Nashville, die Country-Musik-Metropole. Ich hatte über das Internet Karten bestellt für die Grand Ole Opry, also dem Tempel der Folksänger, aus dem seit 1925 über Radio eine wöchentliche Sendung übertragen wird, die ausschliesslich Country- und Westernmusik bringt. Wir hatten grosses Glück und sassen im Mezzanin, so eine Art Empore, in der ersten Reihe Mitte mit prächtigem Blick auf das Geschehen. Und was dann folgte war schon beachtlich, eine Gruppe nach der anderen spielte, nur so ca. alle 10 Minuten unterbrochen mit kurzen Werbeansagen, die live von einem besonderem Pult vorgelesen wurden. Für uns die erste Begegnung mit dieser Art Musik, falls unter meinen Besuchern der Webseite Kenner sind, wir hörten und sahen Sherrié Austin, Ricky Skaggs, Rhonda Vincent, Porter Wagoner, Osborne Brothers, Mandy Barnett, Riders in the Sky, Bill Anderson und viele andere.
Leider war es regnerisch an dem Tag, so dass wir den Nachmittag vor dem Konzert in der riesigen Mall "Opry Mills" verbrachten und wieder einmal aus dem Staunen nicht herauskamen. Leider war unsere Shopping-Lust gebremst durch den hohen Dollar-Kurs. Am nächsten Tag waren wir zum Frühstück im Hotel "Opry Land", ein Erlebnis der besonderen Art, weil dieses Riesenhotel einen glasüberdachten Innenhof hat mit Restaurants und Wasserflächen, kleinen Flüssen und vielen Grünpflanzen. Am Abend dann Dinner im "Old Heidelberg", einem Restaurant, das von einer deutschen Dame geführt wird mit einer wirklich schönen deutschen Speisekarte. ( Und das tut gut nach einigen Tagen "fast food" !)
Nun ging es nach Westen weiter, Memphis erwartete uns mit einem mächtigem Gewitter und ein schlechtes "Best Western" Hotel verdarb uns etwas die Laune. Dafür konnte ich der Verlauf des Gewitters genau im Weather-Channel des Fernsehens verfolgen. Ein abendlicher Bummel durch die berühmte Beale-Street mit Essen im Hard Rock Cafe´ versöhnte uns bald. Elvis haben wir links liegen gelassen, obwohl man überall dort an ihn erinnert wird. Am Ufer des Mississippi bewunderten wir die große Pyramide, die dort als Congress-und Austellungszentrum steht und schauten den Flußdampfern nach.
Auf Grund einer Empfehlung fuhren wir dann in Richtung Tupelo, um dort auf den Natchez Trace Parkway zu gelangen, der uns bis Natchez führte. Diese fast 700 km lange, für amerikanische Verhältnisse schmale Strasse ist für den Berufsverkehr gesperrt und führt immer durch herrliche Wälder und Felder, mit vielen Parkplätzen und Rastanlagen an der Seite. Es war ein Genuss, dort entlang zu fahren. Keine Trucks und Raser störten. In Natchez besichtigten wir das alte Hafenviertel, bestehend aus 3 Kneipen und einem Schaufelrad-Dampfer, der als Spielkasino fungiert. Ich habe 1 Dollar verspielt, nur um da mal reinzusehen.
Nun erwartete uns der zweite Höhepunkt der Reise: New Orleans. Unser Hotel lag an Rande des French Quaters neben dem "Louis Armstrong Park", so konnte man schnell die Sehenswürdigkeiten dort zu Fuß erreichen. Gegen Abend wacht das Viertel so richtig auf, überall aus den unzähligen Kneipen dringt Jazzmusik und vor der Preservation-Hall bildet sich um 19 Uhr schon eine lange Schlange, denn hier gibts Jazz vom Feinsten. Am zweiten Tag haben wir eine Fahrt mit dem Schaufelraddampfer "Natchez" auf dem Missisippi gemacht, 2 Stunden geht es flußabwärts, aber die Vorstellung vom Old Man River ertrinkt in endlosen Hafen- und Industrieanlagen am Ufer. Allein die Faszination eines dampfmaschinen-angetriebenen Schaufelrades war für mich das Erlebnis. Und natürlich das schöne warme Wetter. Anschliessend Besuch im World Trade Center mit einem wunderschönen Ausblick vom Drehcafé im 33. Stock auf New Orleans und den Missisippi. Auf den Rückweg zum Hotel spielte eine Jazzband auf dem Platz vor der Kathedrale, da kam schon etwas Stimmung auf, auch bei den vielen Zuschauern aus aller Welt.
Da die Hotels in New Orleans am Wochenende so teuer sind, beschlossen wir, in der Nähe von Houma zu übernachten, und auf den Wege dorthin empfahl uns eine nette Dame im Welcome-Center der Region einen Anbieter von sog. Swamp-Tours. Das sind Bootsausflüge in die Sümpfe des Missisippi-Deltas, und wir wollten uns dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Auf der Tour sahen wir viele Krokodile, Schildkröten und Wasservögel, die Erklärungen gab es in Englisch und Französisch. Insgesamt recht empfehlenswert, einmal eine solche Tour mit zu machen. Dauer ca. 2 Stunden, Preis ca. 12-15$ /p.P. Anbieter in der Region gib es viele, auch im Internet zu finden !
Inzwischen war aus den Frühling ein Sommer geworden, schon von den Temperaturen her, die sich am Golf von Mexiko auf 30 Grad hinbewegten. Wir fuhren die Küste entlang über New Orleans, Biloxi nach Mobile. Von hier aus besuchten wir die Bellingrath Gardens, die wir 1993 schon einmal besichtigt hatten. Leider waren wir etwas enttäuscht, da die Azaleen-Blüte bereits fast vorbei war und ansonsten die Gartenanlagen einen recht ungepflegten Eindruck machten, ganz im Gegenteil zu unserem Besuch vor 8 Jahren. Aber ein Oldtimer-Treffen mit amerikanischen Autoveteranen auf dem Park-Gelände machte den Besuch dann doch noch zu einem Erlebnis.
Aber im kurzen Stück Florida, welches wir durchquerten, entdeckten wir an einem Rastplatz einen Hinweis auf das National Museum of Naval Avitation (Das nationale Museum der Marineflieger). Flugzeuge machen mich immer neugierig, also auf zur Naval Air Station in Pensacola und das Museum besichtigen. Eintritt frei und wundervoll klimatisiert, und faszinierende Flugzeuge vom Doppeldecker bis zum modernen Jet waren blank geputzt zu bewundern. Empfehlenswert, wenn man dort in der Nähe ist.( Die Fotos sind aus der Web-Seite des Museums)
An den wunderschönen Stränden entlang ging es weiter über Panama City, Eufaula nach Atlanta zurück. Nach 3 Wochen und 5400 km war unsere Rundreise beendet. Ach Unser Auto: ein Chevrolet Malibu LS, 172 PS, 6 Cyl. und ohne Probleme zu fahren. Verbrauch ca. 7.8 ltr/100 km.
Good Bye America, wir kommen wieder!